KI Software Sicherheit: Ist mit KI gebaute Software sicher?
Mit KI gebaute Software ist genau so sicher wie der Prüfschritt, der danach kommt. Die Werkzeuge selbst sind nicht das Problem — auch wir entwickeln mit KI-Unterstützung, und das macht Software schneller und günstiger. Riskant wird es dort, wo niemand mehr kontrolliert, was da eigentlich gebaut wurde. Dieser Artikel erklärt die sechs häufigsten Lücken ohne Fachchinesisch und gibt dir fünf Fragen mit, mit denen du jedes Software-Angebot prüfen kannst.
Warum das Thema gerade jetzt aufkommt
In Entwickler-Communities kursieren seit einiger Zeit Listen mit Sicherheitslücken, die in schnell zusammengeklickter KI-Software immer wieder in derselben Form auftauchen. Der Begriff dafür heißt „Vibe Coding": Man beschreibt einer KI, was die App können soll, die KI schreibt den Code, das Ergebnis sieht nach wenigen Stunden fertig aus — und geht online, ohne dass jemand mit Erfahrung draufgeschaut hat.
Für dich als Geschäftsführer ist das aus einem sehr praktischen Grund relevant: Software wird dadurch billiger angeboten. Wenn du gerade Angebote vergleichst, wirst du große Preisunterschiede sehen. Das kann völlig in Ordnung sein — oder eben nicht. Der Unterschied liegt nicht in der Oberfläche, die du im Verkaufsgespräch siehst, sondern in dem, was danach passiert ist.
Denn früher stand zwischen „funktioniert bei mir am Rechner" und „läuft beim Kunden" immer ein erfahrener Entwickler. Jemand, der nicht nur fragt „tut es das, was es soll?", sondern auch „was passiert, wenn jemand es absichtlich falsch benutzt?". Genau dieser zweite Blick fällt weg, wenn Software nur noch generiert und sofort ausgeliefert wird. Und dann gehen Fehler live, die eine KI nie von selbst meldet — weil aus ihrer Sicht ja alles funktioniert.
Sechs Sicherheitslücken, die immer wieder auftauchen
Diese sechs Punkte sind kein theoretisches Risiko-Szenario, sondern die Klassiker, die in solchen Listen fast immer vorkommen. Ich erkläre sie bewusst so, dass du sie ohne technischen Hintergrund einordnen kannst.
Warum diese Fehler bei einem normalen Test nie auffallen
Alle sechs Punkte haben eine Gemeinsamkeit, und die ist der eigentliche Kern des Problems: Die App funktioniert perfekt, solange man sie normal benutzt. Du klickst dich durch, legst einen Kunden an, schreibst eine Rechnung, lädst ein Foto hoch — alles läuft. Auch beim Testen mit dem Team wird nichts auffallen, weil niemand von euch auf die Idee kommt, die Zahl in der Adresszeile zu verändern oder einen Preis auf dem Weg zum Server abzufangen.
Genau deshalb ist „wir haben es ausführlich getestet" keine Aussage über Sicherheit. Ein Test prüft, ob die Software das Richtige tut. Sicherheit prüft, ob sie das Falsche verhindert. Das sind zwei verschiedene Arbeitsschritte, und der zweite wird gerne weggelassen, weil man sein Fehlen nicht sieht.
Keiner dieser Punkte ist ein Argument gegen KI in der Softwareentwicklung. Wir bauen unsere eigenen Produkte mit KI-Unterstützung und liefern dadurch schneller und günstiger als früher. Der Unterschied liegt allein darin, ob nach dem Bauen noch jemand mit Erfahrung prüft, was gebaut wurde — und ob dieser Prüfschritt fix im Ablauf verankert ist oder zufällig passiert.
5 Fragen, die du deinem Software-Anbieter stellen solltest
Du musst nicht beurteilen können, ob Code gut geschrieben ist. Aber du kannst am Antwortverhalten sehr schnell erkennen, ob jemand über diese Dinge nachgedacht hat. Diese fünf Fragen funktionieren bei jedem Anbieter, egal ob Agentur, Einzelentwickler oder fertiges Produkt:
| Frage | Woran du eine gute Antwort erkennst |
|---|---|
| Wo liegen meine Daten — und sind sie von anderen Kunden getrennt? | Konkrete Angabe zu Serverstandort und Trennung. „Jeder Kunde hat eine eigene Datenbank" ist stärker als „die Daten sind natürlich getrennt". Ausweichende Antworten sind hier ein Warnsignal. |
| Wer prüft, dass ich nur meine eigenen Daten sehe? | Die Antwort muss „der Server, bei jeder Anfrage" enthalten. Wenn stattdessen erklärt wird, dass man fremde Datensätze in der Oberfläche gar nicht anklicken kann, wurde die Frage nicht verstanden. |
| Wie oft wird gesichert — und wurde die Rücksicherung schon einmal getestet? | Der zweite Teil der Frage ist der wichtige. Backups haben fast alle. Ob sich daraus im Ernstfall tatsächlich ein funktionierendes System wiederherstellen lässt, hat kaum jemand ausprobiert. |
| Bekomme ich meine Daten heraus, wenn ich kündige? | Eine klare Zusage inklusive Format (z. B. Excel-Export, PDF-Archiv, Datenbank-Auszug) und Frist. Wenn es dazu keine Regelung gibt, ist der Wechsel später faktisch nicht möglich. |
| Wer haftet — und gibt es einen AV-Vertrag nach DSGVO? | Ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist bei personenbezogenen Daten Pflicht, nicht optional. Ein Anbieter, der ihn ohne Rückfrage bereitstellt, hat sich mit dem Thema befasst. |
Du musst die Antworten nicht technisch bewerten können. Achte nur darauf, ob jemand konkret antwortet oder allgemein bleibt. „Da müssen Sie sich keine Sorgen machen" ist auf keine dieser fünf Fragen eine Antwort.
Sichere Unternehmenssoftware: wie wir es machen
Damit das nicht bei allgemeinen Ratschlägen bleibt, hier ganz sachlich, wie wir unsere Software für KMU in Österreich aufsetzen. Nicht weil das besonders aufwendig wäre — sondern weil es sich mit etwas Disziplin einmal einrichten und dann dauerhaft betreiben lässt:
- Eigene Instanz je Kunde. Jeder Betrieb bekommt eine eigene Installation mit eigener Datenbank. Die Daten liegen physisch getrennt und nicht nur per Filter im selben Topf. Ein Fehler in der Zugriffsprüfung kann damit nie dazu führen, dass ein Betrieb die Daten eines anderen sieht.
- Jeder Zugriff wird am Server geprüft. Bei jeder einzelnen Anfrage wird kontrolliert, welcher Benutzer angemeldet ist und ob er für genau diesen Datensatz berechtigt ist. Der Browser zeigt an — entschieden wird am Server.
- Erprobte Login-Bausteine statt Eigenbau. Anmeldung, Sitzungsverwaltung und Passwort-Handling laufen über etablierte Standardkomponenten. Passwörter werden ausschließlich verschlüsselt gespeichert und sind auch für uns nicht lesbar.
- Tägliche verschlüsselte Backups mit getesteter Rücksicherung. Gesichert wird automatisch jede Nacht, verschlüsselt. Und die Wiederherstellung wird regelmäßig tatsächlich durchgespielt — ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist nur eine Vermutung.
- Laufende Prüfung auf bekannte Sicherheitslücken. Jede Software besteht aus vielen fremden Bausteinen. Für die werden laufend neue Schwachstellen bekannt. Wir prüfen automatisiert, ob ein verwendeter Baustein betroffen ist, und aktualisieren ihn dann gezielt.
- Hosting in Österreich, DSGVO-konform mit AV-Vertrag. Die Server stehen in Österreich, der Auftragsverarbeitungsvertrag gehört bei uns standardmäßig zum Vertrag dazu und muss nicht extra angefordert werden.
Was das für dich heißt, wenn du gerade ein Angebot vergleichst
Ein günstiges Angebot ist kein Warnsignal. KI-Werkzeuge senken die Entwicklungskosten tatsächlich, und dieser Vorteil soll bei dir ankommen — nicht in der Marge einer Agentur verschwinden. Das Warnsignal ist ein anderes: wenn niemand benennen kann, wer nach dem Bauen geprüft hat und wonach.
Für dich als Betrieb geht es dabei selten um spektakuläre Angriffe. Es geht um den unangenehmen Fall, dass ein Kunde zufällig die Daten eines anderen Kunden sieht, dass hochgeladene Dokumente auffindbar sind oder dass am Montag eine vierstellige Rechnung für einen Dienst im Postfach liegt, den übers Wochenende jemand automatisiert leergelaufen hat. Das sind keine Katastrophen im Filmformat, aber genau die Dinge, die Vertrauen kosten und Zeit fressen.
Sichere Unternehmenssoftware ist am Ende keine Frage von großen Budgets, sondern von wenigen sauber gesetzten Grundregeln — getrennte Daten, Prüfung am Server, erprobte Bausteine, getestete Backups. Wenn dein Anbieter diese vier Punkte ohne Zögern beantworten kann, bist du in aller Regel gut aufgestellt.